JTI-Jazzpreis trotz(t) Corona

Ein Jahr ohne den renommierten JTI Trier Jazz Award? Undenkbar für die Jazz-Szene. Und so wurde der Award am 12. September im Rahmen des Mosel Musikfestivals im Theater Trier auch in diesem Jahr verliehen. Das Julia Hülsmann Trio durfte sich über einen der höchstdotierten Jazz-Awards (7.500 Euro) des Landes freuen.

Heike Maria Lau, Leiterin Politik & Kommunikation von JTI: „Bereits im elften Jahr vergeben wir den JTI Trier Jazz Award an verdiente Musikerinnen und Musiker der Jazz-Szene. Mit Julia Hülsmann reiht sich die vierte Frau in die Reihe der Preisträger ein. Das Julia Hülsmann Trio besteht in seiner jetzigen Besetzung mittlerweile seit fast zwanzig Jahren und hat nach Auffassung der Jury den Klang des europäischen Jazz ganz entscheidend geprägt.“

Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Von der Pianistin Julia Hülsmann stammen die meisten Kompositionen, sie gibt der Formation ihren Namen und den musikalischen Rahmen, aber dieses Trio ist ein äußerst kreatives soziales Gefüge, das mit Marc Muellbauer und Heinrich Köbberling hochkompetente Musiker zu einer der beweglichsten Formationen des gegenwärtigen Jazz vereint. Es ist faszinierend zu hören, wie die Musiker die Komplexität ihrer gesammelten musikalischen Erfahrung auf einfache Melodien reduzieren können. Sie suchen die knappe Form mit langem Nachhall, nicht die große erzählerische Geste. Atem, Raum und Sparsamkeit sind Stichworte für ihre Musik.“

Die Preisträger
Julia Hülsmann, 1968 in Bonn geboren, erhielt seit ihrem elften Lebensjahr Musikunterricht. Während ihrer Schulzeit spielte sie bereits in verschiedenen Besetzungen Keyboard und Piano. Nach ihrem Schulabschluss ging sie zunächst nach Frankfurt am Main und anschließend nach Berlin. Sie machte eine Ausbildung als Klavierpädagogin und begann 1991 an der Berliner Hochschule der Künste ein Studium im Fach Jazz-Piano. 1992 wurde Julia Hülsmann Mitglied des Bundesjugendjazzorchesters unter der Leitung von Peter Herbolzheimer. 1996, nach ihrem Studienabschluss, gründete sie zusammen mit dem Bassisten Marc Muellbauer und dem Schlagzeuger Rainer Winch das Julia Hülsmann Trio. Anfang 2000 verbrachte Julia Hülsmann einen Studienaufenthalt in New York und nahm Unterricht bei Richie Beirach, Maria Schneider, Gil Goldstein und Jane Ira Bloom.

Julia Hülsmann lernte bei einem Konzert die norwegische Sängerin Rebekka Bakken kennen und war von deren Stimme fasziniert; sie entwickelte den Wunsch, etwas für die Norwegerin zu schreiben. Zurück in Deutschland startete Julia Hülsmann das Projekt und veröffentlichte zum Jahreswechsel 2000/2001 mit ihrem Trio die Debüt-CD. Ebenfalls mit Rebekka Bakken realisierte sie das nächste Projekt, woraus 2003 das Album „Scattering Poems“ entstand, das mehrere Wochen in den deutschen Top 10 der Jazz-Veröffentlichungen war und mit dem German Jazz Award ausgezeichnet wurde. Die nächsten Projekte Julia Hülsmanns waren eine Hommage an den amerikanischen Songwriter Randy Newman und die Zusammenarbeit mit dem Sänger Roger Cicero. Mit ihrem Trio in der Besetzung mit dem Bassisten Marc Muellbauer und dem Schlagzeuger Heinrich Köbberling spielte sie 2008 die CD „The End of a Summer“ mit ausschließlich eigenen Kompositionen ein. Beim Elbjazz-Festival 2019 gab das Trio – erweitert um den Sänger Theo Bleckmann – drei Konzerte und füllte mit einem Beatles-Programm den Großen Saal der Elbphilharmonie.

Neben dem ganz eigenen Sound, den sich das Julia Hülsmann Trio in langjähriger Zusammenarbeit als Kollektiv erspielt hat, zeichnet alle Mitglieder aus, junge Musiker auf ihrem Weg zu begleiten, zu fördern und zu ermutigen. Seit 2001 hat Julia Hülsmann einen Lehrauftrag an der Universität der Künste in Berlin und hält Workshops für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Sie ist neben ihrem musikalischen Engagement auch kulturpolitisch aktiv: 2012 übernahm sie zusammen mit dem Saxophonisten Felix Falk die Leitung der UDJ, dem Interessenverband deutscher Jazzmusiker*innen.

Heinrich Köbberling war fast zwei Jahrzehnte lang Professor an der Musikhochschule Leipzig, bis er im zurückliegenden Jahr an die Musikhochschule Berlin berufen wurde. In dieser Zeit hat er viele junge Musiker als Lehrer und Mentor begleitet und geprägt. Er gehört zu den vielseitigsten Trommlern des Landes, was er in der Zusammenarbeit mit Ernie Watts, Jan Delay, Aki Takase, Alexander von Schlippenbach und eigenen Projekten unter anderem mit Ben Monder/Marc Johnson immer wieder unter Beweis stellt. Dabei ist sein mehrjähriger Aufenthalt als freier Musiker in New York nicht zu überhören.

Das Gleiche gilt für Marc Muellbauer, der als Bassist, Komponist, Bandleader und auch als Produzent sowie Sound Engineer arbeitet. Er ist unterwegs mit seinen eigenen Projekten, tourt darüber hinaus als äußerst gefragter Sideman in verschiedensten musikalischen Zusammenhängen mit Bands wie dem Lisbeth Quartett, Wood and Steel Trio, Marc Muellbauer’s Kaleidoscope oder mit Moritz von Oswald. Seit über 20 Jahren ist Marc Muellbauer als Dozent, Lehrer und Mentor tätig an der „Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin“ (seit 2005 mit der Jazz-Abteilung der UdK Berlin zum Jazz-Institut Berlin gebündelt), und hat in dieser Zeit ebenfalls unzählige junge Musiker unterrichtet, bestärkt und auf ihrem Weg begleitet.

Der Preis
Der JTI Trier Jazz Award wurde bisher an folgende Musiker vergeben:
Marylin Mazur (2010), Oliver Strauch (2011), Pascal Schumacher (2012) Toots Thielemans † (2013), Stefano Bollani (2014), Nicole Johänntgen (2015), Iiro Rantala (2016), Markus Stockhausen (2017), Ferenc Snetberger (2018) und Eva Klesse (2019).

JTI (Japan Tobacco International) engagiert sich seit vielen Jahren als Förderer von Kunst und Kultur. Der JTI Trier Jazz Award ist eines der Bekenntnisse des Unternehmens zu seinem Standort Trier. Dort Kulturprojekte zu unterstützen, steht bei JTI für soziale Verantwortung, aber auch für unternehmerisches Denken. Denn durch kulturelles Engagement leisten wir einen Beitrag, um die Lebensqualität an unseren Standorten  zu steigern – Kunst ist ein Grundbedürfnis des Menschen.

Die Juroren
Claudia Hartmann (freie Journalistin NR), Eva Klesse (Musikerin und Preisträgerin 2019), Ralf Dombrowski (freier Journalist), Dr. Peter Kleiß (freier Journalist und Jury-Vorsitzender) und Johannes Kloth (Journalist SR).

Die Partner
„Wir sind extrem froh, dass wir trotz der pandemie-bedingten Herausforderungen die Verleihung des JTI Trier Jazz Awards gemeinsam mit unserem langjährigen Hauptsponsor JTI am ursprünglichen Termin umsetzen können“, so Tobias Scharfenberger, Intendant des Mosel Musikfestivals. „Herzlichen Dank an das Theater Trier und seinen Intendanten Manfred Langner sowie an den Kulturdezernenten der Stadt, Thomas Schmitt, dass sie das Haus für die Verleihung und das Preisträgerkonzert eines der höchstdotierten deutschen Jazz-Preise zur Verfügung stellen.“

Titelbild: Peter Hundert

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