Vom Schwingen der Moralkeule – Warum wird oft so emotional diskutiert?

Der öffentliche Diskurs wird immer mehr bestimmt von Emotionen. Egal, ob im persönlichen Gespräch, den klassischen Medien oder auf den Social-Media-Plattformen im Netz: Sachliche Argumentationen ziehen gegenüber moralischen und ethischen Aussagen regelmäßig den Kürzeren. Philosophen sprechen daher vom „Zeitalter der Hypermoral.“ Der Begriff geht zurück auf das bereits 1969 erschienene Buch „Moral und Hypermoral“ von Arnold Gehlen. Im Kern legte der deutsche Anthropologe in seinem Werk dar, dass praktisch alle gesellschaftlichen Bereiche von übergeordneten moralischen Grundsätzen dominiert werden.

Gut gegen Böse
Was aber bedeutet diese Entwicklung für die großen Fragen unserer Zeit? In erster Linie entsteht ein klares „Gut gegen Böse“-Szenario. Vom allgemeinen Konsens abweichende Meinungen können ihre Vertreter kaum noch halten, die vermeintliche Mehrheit stellt sie anklagend an den Pranger. Um welches Sujet es dabei geht, spielt keine entscheidende Rolle. Ob Klima, Wirtschaft, Verkehr oder jüngst die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen: Immer bildet sich im Handumdrehen ein strikt definiertes Schwarz-Weiß-Schema heraus, das keine wirkliche Auseinandersetzung mehr zulässt.

Kaum ein Entkommen
Das Überbetonen moralischer Aspekte führt zu einem Dauerzustand der Erregung und Empörung. Mit dem sprichwörtlichen Schaum vor dem Maul und dem ständigen Schwingen der Moralkeule diffamieren selbstgerechte „Gutmenschen“ Andersdenkende. Diese finden sich unversehens auf der dunklen Seite der Macht wieder. Die Political Correctness erledigt den Rest. Aus dieser Falle gibt es kaum noch ein Entkommen – sachliche Ausführungen verhallen ungehört. Wobei die Lautstärke der emotionalen Vertreter allzu häufig den Ausschlag gibt. Wer einem Disput hingegen auf rationaler Ebene beikommen möchte, wird umgehend stigmatisiert. Ideologien triumphieren in vielen Debatten über den gesunden Menschenverstand. Wer nicht klein beigibt, gilt als böse oder nicht gesellschaftsfähig.

Kein Plädoyer für Verschwörungstheoretiker
Dies stellt indes kein Plädoyer für durchgeknallte Verschwörungstheoretiker dar, die speziell im Zuge der derzeitigen Pandemie über alle zur Verfügung stehenden Kanäle ihre wirren und teils gefährlichen Thesen verbreiten. Vielmehr soll der absolutistische Anspruch der Moralisten nachhaltig in Frage gestellt werden. Nur wenn es gelingt, in Kontroversen wieder mehr Sachlichkeit walten zu lassen, können Diskussionen auf Augenhöhe stattfinden. Werden Argumente wieder gehört, abgewogen und ernsthaft überdacht. Und nur dann können aus einer Vielfalt von Standpunkten, Perspektiven und Auffassungen Lösungen für die drängenden Probleme unserer Tage entstehen.

Titelbild: stock.adobe.com

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