Freiheit zum Gucken – 15 Jahre YouTube

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s war am 23. April 2005 als Jawed Karim erstmals ein Video auf YouTube hochlud. In „Me at the Zoo“ stand der Mitbegründer der Plattform vor dem Elefantengehege des Zoos in San Diego (USA) und sprach 18 Sekunden lang über Elefanten und wie cool deren Rüssel seien, ehe er mit dem Satz schloss: „Und das ist im Prinzip alles, was es zu sagen gibt.“ Doch mit dieser Schlussfolgerung lag er absolut falsch.

Denn zahlreichen Hobbyfilmern fielen unzählige Dinge ein, die sie auf einer Videoplattform dieser Art erzählen konnten: Katzenvideos, Urlaubsausflüge, Dance-Battles, Gesangseinlagen, es wurde alles gepostet, was Spaß macht. So wurde YouTube zu einem Symbol für Freiheit und Grenzenlosigkeit und damit innerhalb von kürzester Zeit zu einer der beliebtesten Internetseiten der USA. Die Folge: Am 9. Oktober 2006, weniger als anderthalb Jahre nach Jaweds Besuch im Zoo, kaufte der Suchmaschinenbetreiber Google das Portal für 1,31 Milliarden Euro.

Riesige Reichweiten
Seitdem hat sich YouTube kontinuierlich weiterentwickelt, ist mittlerweile die zweitmeist aufgerufene Internetseite weltweit. Bekannte Sänger, wichtige Sportligen, Nachrichtensender: sie alle haben längst eigene Kanäle auf YouTube, da die Plattform riesige Reichweiten garantiert. Kein Wunder also, dass sich dort nahezu jedes Musikvideo finden lässt. Durch Werbeeinnahmen und die Steigerung des Bekanntheitsgrads profitieren die Künstler enorm von der Plattform, obwohl ihre Inhalte dort kostenlos bereitgestellt werden. Ein Beispiel: Der puertoricanische Latin-Pop-Sänger Luis Fonsi hält mit seinem rund 6,9 Milliarden Mal aufgerufenen Song „Despacito“ den Rekord für das meistgeklickte Video des Portals (Stand: Ende Juli 2020). Und da den Interpreten für 1000 Aufrufe etwa ein bis zwei Euro gezahlt werden, konnte Fonsi alleine durch seine Präsenz auf YouTube schon mehrere Millionen Euro verdienen.

Eigene Stars
Da sich das Mediennutzungsverhalten durch Videoportale im Netz deutlich verändert hat, verdienen längst zahlreiche weitere Künstler viel Geld auf YouTube. Denn durch die riesige Vielfalt von Themen und das zeitlich unabhängige Angebot haben Videoportale dieser Art viele Vorteile gegenüber dem linearen Fernsehen. Dementsprechend überrascht es nicht, dass immer mehr Menschen deutlich mehr Zeit vor dem Handy oder dem Tablet als vor dem klassischen Fernseher verbringen. Außerdem bedeutend: YouTube produziert eigene Stars. In Deutschland sind zum Beispiel Namen berühmter YouTuber wie Rezo, Dagi Bee oder Mai Thi Nguyen-Kim längst nicht mehr nur der jungen Generation bekannt.

Jedermanns Chance
Theoretisch hat jede Person die Möglichkeit hat, durch YouTube berühmt zu werden. Dafür benötigen die Betreiber eines Kanals allerdings haufenweise gute Ideen, ansonsten springen die entsprechenden Klickzahlen nicht dauerhaft heraus. Um rund 1000 Euro monatlich zu verdienen, brauchen Künstler in diesem Zeitraum mindestens 500.000 Aufrufe. In Deutschland sind dazu laut des Relevanzindexes derzeit etwa 400 unterschiedliche Kanäle im Stande, wobei weniger als 80 jährliche Einnahmen von mehr als 100.000 Euro generieren. Heißt: Es ist alles andere als einfach, ein Star auf YouTube zu werden. Doch die Freiheit, dies zu versuchen, hat nunmehr seit mehr als 15 Jahren jede Person, die einen uneingeschränkten Zugang zum Internet hat.

Jawed Karim – der übrigens im deutschen Merseburg geboren wurde und erst 1992 im Alter von 13 Jahren mit seinen Eltern in die USA übersiedelte –  hätte sich eine solche Entwicklung sicherlich nie träumen lassen, als er am 23. April 2005 seine Kamera auf die Elefanten von San Diego hielt.

Übrigens: Eine immer aktuelle Tabelle der meistabgerufenen YouTube-Videos findet sich hier.

Titelbild: stock.adobe.com

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