Drive-In-Kultur: Die Renaissance der Autokinos

Die ersten Töne der Kultur-Revolution waren leise: Als die Kölner Rock- und Stimmungsband BRINGS am 17. April 2020 ihre Ballade „Willkumme in Kölle“ anstimmte, war das der Startschuss des ersten Live-Konzerts auf europäischem Boden seit Beginn der Coronakrise. Und die Kulisse war einzigartig: 250 Autos standen vor der Bühne, die eigens im Autokino Köln-Porz aufgebaut worden war.

Der Rest ist (junge) Geschichte: Ab diesem Tag ploppten in ganz Deutschland mehr und mehr Open-Air-Bühnen auf, wurden Autokinos und große Parkplätze die neuen Tempel der Kulturfreunde. Alleine in Nordrhein-Westfalen wurden Ende Mai 2020 über 50 solcher Bühnen gezählt. Eine geniale Idee, die sowohl Künstlern als auch dem Publikum wieder einen Hauch Freiheit und Normalität vermittelten und zudem für dringend nötige Einnahmen in der gesamten Branche sorgte.

So kam es, dass Autokinos eine Renaissance erlebten, an die eigentlich niemand mehr geglaubt hatte. In den 1950er und 1960er Jahren schwappte die Welle der Drive-In-Unterhaltung aus den USA nach Deutschland. Nirgendwo in Europa eröffneten so viele Autokinos wie bei uns. Und der Erfolg war riesig: Zur großen Freiheit, einfach mit seinem eigenen Auto ins Kino zu fahren und am Fenster bedient zu werden, kam das Gefühl, im Trend zu sein. Autokinos waren einfach „hip“ – und nicht zuletzt bei jungen Menschen beliebt, die dort endlich einmal halbwegs unbeobachtet ihrem Schwarm ganz alleine ganz nahe sein konnten.

Intimer geht es nicht 

Mit den ersten erschwinglichen Videorekorden ging es dann ab den 1980ern mit den Besucherzahlen der Autokinos kontinuierlich bergab. Bis heute. Vor Corona konnten in Deutschland noch zirka zwanzig große Drive-In Kinos gezählt werden. Wie viele es nach Corona sein werden steht in den Sternen. Denn sobald Großveranstaltungen wieder zugelassen sind, dürfte das Angebot an Drive-In Kultur im Gegenzug kontinuierlich abebben und sich wieder auf den „normalen“ Bühnen und Open-Airs verteilen.

Dennoch konnte es keine bessere PR für diese Unterhaltungsform geben, als die Corona-Krise. Die Zeit, in der Autokinos zu Ersatz-Kulturtempeln wurden. Bleibt die Hoffnung, dass man ihnen das nicht vergisst und der ein oder andere sie bei der Wochenendplanung künftig wieder auf dem Zettel hat. Denn intimer geht Kino nun einmal nicht. Ob man gerne während des Kinofilms rauchen, seine selbst gemachten Lieblingssnacks genießen oder sich in seine eigene Kuscheldecke einmummeln möchte – im Autokino ist all das möglich.

Titelbild: stock.adobe.com

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