10.000 Schritte pro Tag? Uralte Fake-News!

Seit einigen Jahren schon zählen wir nicht mehr nur Kalorien, sondern auch Schritte – 10.000 sind dabei für die meisten Fitnessbewussten das Ziel. Fitnessarmbänder und Apps helfen uns dabei. Artikel in Lifestyle-Magazinen geben uns Tipps, wie wir diese magische Zahl am besten im Alltag erreichen können. Denn sie ist angeblich optimal. Aber warum? Reichen nicht auch 9567? Und in welcher Geschwindigkeit sollten sie gegangen werden? Fragen, die verwirren können. Und das bei einem so wichtigen Thema wie unserer Gesundheit. In den Industrienationen hat sich schon seit langem ein regelrechter Hype um dieses Thema entwickelt, für viele ist die Beschäftigung mit der eigenen Gesundheit zu einer Art Ersatzreligion geworden.

Ein Marketingtrick

Aus dem durchaus verständlichen und keineswegs verwerflichen Wunsch, gesund zu bleiben kann sich allerdings eine regelrechte Sucht entwickeln. Dabei gab und gibt es immer wieder zahlreiche Mythen zum Thema, die sich regelmäßig als unwirksam, ungesund oder gar gefährlich herausstellen. Die 10.000-Schritte-Regel gehört dazu. Täglich diese Anzahl an Schritten zu machen ist zwar sicher nicht gefährlich, allerdings ist diese Grenze ein Mythos, ein Marketingtrick.

Wer hat’s erfunden? Eine japanische Firma namens Yamasa, und zwar bereits 1964. In diesem Jahr brachte sie – passend zu den olympischen Spielen in Tokyo – einen Schrittzähler namens „Manpo-kei“ auf den Markt. Dieser heißt übersetzt nicht nur so viel wie „Der 10.000-Schritte-Zähler“, sondern setzte gleichzeitig das Gerücht dieser optimalen täglichen Schrittzahl in die Welt. Das hielt sich jahrzehntelang hartnäckig, obwohl es durch keine wissenschaftliche Studie belegt wurde. Sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO sprang auf den Zug auf und propagierte die Regel als förderlich für die Gesundheit.

Mythos hielt sich 55 Jahre

Erst 2019 erschien im Fachblatt „Jama Internal Medicine“ eine Studie, die alles hinterfragte. Das Ergebnis: Schon 7.500 Schritte würden ausreichen, um das statistische Sterberisiko zu verringern. Alles darüber hinaus bringe keine weitere Verbesserung. Bei Frauen verlängere sich die Lebenserwartung sogar bereits ab 4400 Schritten täglich. Andere Untersuchungen wiederum kommen zu einem völlig unterschiedlichen Ergebnis und wollen uns zu 15.000 bis 18.000 Schritten pro Tag treiben. Erst dann zeige sich ein positiver gesundheitlicher Effekt. Wie man’s macht, macht man’s also auch hier falsch.

Wichtiger als die Zahl der täglichen Schritte ist ohnehin die Intensität der Bewegung. Mindestens zehn Minuten zügiges Gehen sind viel effektiver als 10.000 Schritte im Schneckentempo. Hier kann man sich sogar auf Studien verlassen. Denn die positiven Effekte von schnellem Gehen sind ausreichend untersucht.

Und die Moral von der Geschicht? Auch 10.000 Schritte retten uns nicht. Zumindest nicht, wenn wir verbissen und krampfhaft versuchen, das Pensum einzuhalten und das Ganze mal wieder in Stress ausarten lassen. Denn wie bei so ziemlich allem im Leben, macht auch hier die Dosis das Gift. Alles, was exzessiv betrieben wird, stresst den Körper. Natürlich sollten wir auf unsere Gesundheit, auf gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung achten. Aber das geht auch ohne Schrittzähler und mahnende Apps.

Titelbild: stock.adobe.com

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