Der Tag, als Erich gehen musste

Der Herbst 1989 bleibt für die Bundesrepublik unvergessen: Im Land brodelt es. Massen verlassen die DDR und Hunderttausende Menschen strömen auf die Straßen, um für die Freiheit zu demonstrieren. Sie fordern freie Wahlen sowie Reise-, Presse- und Meinungsfreiheit. In der SED tobt ein erbitterter Machtkampf. Immer mehr Politbüromitglieder verständigen sich über mögliche Reformen und Zugeständnisse an das Volk. Am 17. Oktober kommt es schließlich zum Eklat.

An diesem Dienstag steht eine Politbürositzung an. Erich Honecker (Titelfoto links) will nach einleitenden Worten zur Tagesordnung übergehen. Doch er wird unterbrochen: Ministerpräsident Willi Stoph schlägt eine Änderung vor. Als erster Punkt solle die Absetzung des Generalsekretärs Erich Honecker in die Tagesordnung aufgenommen werden. Der ignoriert den Einwand zunächst und fährt einfach fort. Zwischenrufe werden laut, immer mehr Parteigänger wenden sich gegen Honecker.

Die Sitzung endet schließlich mit der einstimmigen Entscheidung, der Zentralkomitee-Sitzung am Tag darauf die Ablösung Erich Honeckers sowie Günter Mittags und Joachim Herrmanns vorzuschlagen. Mittag war Honeckers Vertrauter. Ihm unterstanden 22 Wirtschaftsministerien, 224 Kombinate und 3.526 Industriebetriebe. Hermann wachte in seinem Presseamt über sämtliche Medien und Nachrichtenagenturen. Er soll jeden Abend per Telefon angewiesen haben, wie groß Honecker in der Zeitung abgebildet werden soll.

Am Mittwoch, 18. Oktober 1989, erfolgt daraufhin die Sensationsmeldung: Erich Honecker tritt aus gesundheitlichen Gründen von seinen Ämtern als Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender zurück. Mittag und Herrmann werden ebenfalls von ihren Posten entbunden. Auf Honeckers Vorschlag hin wird Egon Krenz (Titelfoto rechts) als Nachfolger bestimmt. Am Abend zeigt das DDR-Fernsehen dessen erste öffentliche Erklärung in neuer Funktion. Er kündigt etwas nebulös eine „Wende“ an und räumt ein: „Fest steht, wir haben in den vergangenen Monaten die gesellschaftliche Entwicklung in unserem Lande in ihrem Wesen nicht real genug eingeschätzt und nicht rechtzeitig die richtigen Schlussfolgerungen gezogen.“

Doch dieser Versuch, eine neue DDR-Führung zu installieren, um die Bürger zu beruhigen, schlägt fehl. Am 23. Oktober demonstrieren bereits wieder 300.000 Menschen in Leipzig, weitere Zehntauende in Magdeburg, Dresden, Schwerin, Zwickau, Halle, Stralsund und Berlin. Die Rufe nach Freiheit sind nicht mehr aufzuhalten. Nur drei Wochen
später fällt die Mauer, wird der Grundstein der Wiedervereinigung gelegt.

Titelbild: imago

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