„Todsünde“ Zucker: Wissen wir nicht selbst, was gut für uns ist?

Großbritannien, Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko – was haben diese Länder gemeinsam? Eine Zuckersteuer! Eine solche Abgabe in Höhe von 20 Prozent auf zuckerhaltige Getränke wird zudem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Sie soll helfen, den Konsum des Süßungsmittels zu reduzieren und damit Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht und Karies zu bekämpfen.

In Deutschland wurde die Zuckersteuer 1993 abgeschafft. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) lehnt eine erneute Einführung ab. „Eine Zuckersteuer klingt vielleicht gut, ob das aber die Fehl- und Überernährung verhindert, ist zu bezweifeln“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Sollten Lebensmittel durch eine „Strafsteuer künstlich verteuert werden“, könnten sich diese nur noch bestimmte Gesellschaftsschichten leisten.

Helfen Ampeln wirklich?

Neben dieser Abgabe gibt es weitere Bestrebungen, den Verbraucher bei seinem Konsum zu bevormunden. In einigen Ländern gibt es die Lebensmittelampel, in anderen den Nutri-Score, der – anders als die übliche Ampel – Vor- und Nachteile eines Lebensmittels gegeneinander abwägt und am Ende einen einzigen verbindlichen Wert bildet. In Deutschland nutzen manche Firmen dieses Mittel bereits jetzt freiwillig, zum Beispiel Danone.

Auch das lehnt Klöckner ab. Sie stellte mit dem „Wegweiser Ernährung“ ein eigenes Kennzeichnungs-System vor. Denn, so die Ministerin: „Die vereinfachte farbliche Kennzeichnung bringt lediglich Verwirrung“. Ihr Beispiel: frisch gepresster Orangensaft, der Zucker enthalte und somit ein rotes Etikett bekommen müsste. „Und daneben steht dann eine Light-Limonade mit grünem Etikett. Ist das Naturprodukt wirklich ungesünder?“

Ein deutscher Lebensmittelriese ist ebenfalls auf den Zug aufgesprungen und lässt seine Kunden darüber abstimmen, in welcher Variante ihnen ein bestimmtes Produkt am besten schmeckt – ob mit viel, etwas weniger oder fast gar keinem Zucker. Dass bei den zuckerreduzierten Alternativen andere Bestandteile wie Fett oder Kohlenhydrate erhöht werden, scheint vielen egal zu sein. Hauptsache weniger Zucker.

Doch ob Zuckersteuer, Nutri-Score oder Lebensmittelampel – hinter all diesen Bestrebungen steckt ein bestimmtes Menschenbild. Und das ist nicht das des mündigen Verbrauchers, der selbst entscheiden kann, was für ihn wann gut ist und was nicht. Ein „Anstandswauwau“ bevormundet nur die Verbraucher, ohne ihnen das zu geben, worauf es eigentlich ankommt: ein Grundverständnis über gesunde und ausgewogene Ernährung einerseits und die Wahlfreiheit, einen selbstbestimmten Lebensstil zu pflegen, andererseits. Wer auf seine Gesundheit achtet, isst also nicht jeden Tag Süßigkeiten, sondern gönnt sich ab und zu mal eine Leckerei. Und das ist auch völlig okay. Wer Zucker konsumieren will, wird es tun – Ampel, Steuer und Score hin oder her.

Titelbild: stock.adobe.com

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