Die Craft Beer-Revolution: In Deutschland braut sich was zusammen

Immer mehr junge Brauer begehren auf. Sie bewaffnen sich mit Früchten, Gewürzen oder Kräutern und ziehen gegen das Reinheitsgebot zu Felde – Freiheit für das Bier! Aber warum wird immer mehr anders gebraut?

„Arrogant Bastard Ale“, „Roundhouse Kick“ oder „Aufwind“ heißen die neuen Trend-Marken. Nicht nur ihre Namen, auch ihr Geschmack ist außergewöhnlich. In den vergangenen drei bis fünf Jahren ist der Craft Beer-Trend von den USA nach Deutschland hinüber geschwappt. Viele Leute möchten Bierkreationen fernab von Pils, Kölsch oder Weizen probieren. Sorten wie Indian Pale Ale, Porter oder Stout erobern deutsche Kioske und Supermärkte. Und immer mehr Menschen brauen selbst.

Die neue Brauer-Generation legt Wert auf Einzigartigkeit und Individualität sowie hochwertige Zutaten. Sicher, das behaupten auch die großen Player auf dem Markt. Und natürlich schmeckt ein herbes Pils von der Küste anders als ein süffiges Helles aus der Alpenregion. Dennoch ist oft genug innerhalb der verschiedenen Sorten kaum mehr eine besondere Note herauszuschmecken. Ein Grund dafür ist das hierzulande seit hunderten von Jahren glorifizierte Reinheitsgebot. Dieses besagt, dass außer Malz, Hopfen, Hefe und Wasser nichts ins Bier gehört.

Natürlichkeit statt Reinheit

Daher legen Craft-Beer-Anhänger längst keinen großen Wert mehr auf das Uralt-Gebot, sondern stattdessen auf Natur pur. So auch verschiedene junge Brauer, die sich im Verein Deutsche Kreativbrauer e.V. organisiert haben. Eine Interessenvertretung für alle, die Durst auf Vielfalt haben. Auf der Vereinsseite im Internet heißt es vollmundig: „Für die Herstellung unserer kreativen Biere setzen wir nur natürliche Rohstoffe ein – und das dürfen neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gern auch Früchte, Kräuter oder Gewürze sein. Künstliche Hilfsstoffe und Extrakte sind bei uns tabu.“

Fritz Wülfing ist Gründungsmitglied des Vereins und Geschäftsführer der Ale-Mania Biersmarck GmbH in Bonn. Er sagt: „Generell sollte es eine Deklarationspflicht für alle Lebensmittel geben. Wenn die Hersteller drauf schreiben müssten, was drin ist, könnte der Verbraucher selbst entscheiden, ob er das Produkt kaufen will.“.

Wülfing sieht einen Grund für den Einheitsbrei im Bierglas vor allem beim Preisdruck, dem die Hersteller unterliegen. „Den Brauereien geht es darum, möglichst kostengünstig zu produzieren, also experimentieren sie nicht mit teuren Hopfensorten. Zudem wollen sie kein Risiko eingehen und haben Angst, dass es den Verbrauchern nicht schmeckt.“

Dabei geht der Bierkonsum in Deutschland seit 1980 kontinuierlich zurück (Quelle: Statista). Der Absatz von Craft Beer hingegen steigt. Im Jahr 2018 erzeugten deutsche Brauereien rund 87,29 Millionen Hektoliter. Etwa 1,66 Prozent davon kamen aus Klein- und Kleinstbrauereien mit einer Gesamtjahresleistung von maximal 10.000 Hektolitern. Jüngsten Umfrageergebnissen zufolge bevorzugen Kunden vor allem Marken aus der Region. Kreationen mit zusätzlichen Gewürzen oder Früchte stehen bei ihnen ebenfalls hoch im Kurs.

Zeit für Veränderung

Roland Schön ist zertifizierter Bierbotschafter der IHK und betreibt einen Craft-Beer-Laden in Köln. Er ist ebenfalls der Meinung, dass alles ins Bier dürfe, was natürlich ist. In seinem Laden vertreibt er lediglich Erzeugnisse aus Europa, viele davon aus der Domstadt selbst, Bonn und Umgebung. Schön möchte den Menschen vor allem Lust am Probieren machen. „Bier hat bei uns einfach ein Imageproblem. Es geht um die Masse und um möglichst billig.“

Um das zu ändern, veranstaltet er Tastings, die in den letzten Monaten stets ausverkauft waren, und erklärt den Menschen, wie das Bier hergestellt wird und was seine Besonderheiten sind. Inzwischen haben auch die großen Brauereien die Zeichen der Zeit erkannt und springen auf den Craft-Beer-Zug. „Craftwerk“, „Sonnenhopfen“ oder „Amber Lager“ heißen die neuen Kreationen.

Titelbild: stock.adobe.com

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