Mehr Grün im Grau – pflanz dich frei!

Urbaner Lifestyle oder ländliche Idylle? Leben neben Restaurants und Clubs oder umgeben von Bäumen und Beeten? Dabei muss das eine nicht das andere ausschließen, es geht beides. Der neue Trend in den Städten heißt „Urban Gardening“.

Wer in der Stadt aufwächst, kann sich kaum vorstellen, aufs Land zu ziehen – zu wenig Shoppingmöglichkeiten und Kulturangebote. Der letzte Bus fährt um 20 Uhr abends und die Taxifahrt zur nächsten Disco ist teurer als der gesamte Abend an der Bar. Raus aus der Stadt ist keine Option. Doch bei vielen ist da diese Stimme, die nach Erholung, Idylle, frischer Luft und Bodenständigkeit ruft. Und je älter wir werden, desto lauter wird sie.

Na dann, pflanz dich frei! „Urban Gardening“ ist ein Trend, der immer mehr Freunde findet. Die Möglichkeiten, seiner Landlust zu frönen, sind dabei vielfältig. Wie wäre es zu Anfang erstmal mit einem kleinen Beet um einen Baum herum oder auf einer Kreisverkehrsinsel? In vielen Vierteln suchen die Kommunen Paten, die sich um die Instandhaltung von kleinen Grünflächen kümmern. In Köln gibt es rund tausend von ihnen. In München hat sich bereits vor vielen Jahren der Verein „Green City e. V.“ gegründet, der mittlerweile über 1.500 Mitglieder hat und sich unter anderem um die öffentlichen Beete kümmert.

Eine weitere Variante sind zum Beispiel sogenannte Gemeinschaftsgärten. Die Idee: Zusammen mit anderen Grünfreunden pflanzen, pflegen und ernten. Und das ganz ohne eigenen Balkon oder Garten. In vielen Städten gibt es Initiativen, die Plätze sowie Grünanlagen in der Innenstadt revitalisieren, einen Beitrag zum Umweltschutz leisten wollen und bürgerliches Engagement fördern.

In Köln beispielsweise gibt es neben vielen kleineren Initiativen die „Gemeinschaftsgärten Köln“. Dies ist ein Netzwerk von mehreren lokalen Gemeinschaftsgärten. Berlin bietet mit dem Prinzessinnengarten in Kreuzberg das wohl prominenteste Beispiel. Naturbegeisterte haben dort auf einer 6.000 Quadratmeter großen Fläche einen Nutzgarten angelegt, in dem während der Saison fleißig gesät, geerntet und sogar gekocht wird. Selbst ein Gartenrestaurant und regelmäßige Veranstaltungen gehören zum Angebot. Der Clou: Der Garten ist mobil. Die Pflanzen wachsen in Kisten, Säcken und Tetrapaks. So könnte das grüne Paradies jederzeit an eine andere Stelle in der Stadt umziehen, falls der Garten mal wieder einem Bauprojekt weichen muss.

Mietgärten, Gemüseparzellen und die solidarische Landwirtschaft sind weitere Formen des „Urban Gardening“. Dabei übertragen private Initiatoren die Rechte zur Ernte und Bewirtschaftung eines Gartens oder einer Parzelle auf die Mieter. Bei der solidarischen Variante können Grünfreunde landwirtschaftliche Flächen selbst bewirtschaften oder helfen dem Landwirt bei der Arbeit. Durch die monatliche Beiträge finanzieren sie das Ganze und erhalten im Gegenzug Anteile an der Ernte.

Und natürlich gibt es noch die Mutter des urbanen Gartentrends – den Schrebergarten. Die mit National- und Ferrariflaggen markierten Territorien getrimmter Deutschheit erfreuen sich bei jüngeren Menschen jedoch nicht immer der größten Beliebtheit. Neben den konventionellen Anlagen gibt es mittlerweile aber Naturkleingärten, die weniger gestutzt und gedrillt daherkommen.

Lust auf mehr Grün im ewigen Grau? Unter diesem Link findest du deutschlandweit Initiativen und Möglichkeiten für urbanes Gärtnern.

 

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