„Gut“ ist relativ - Sei so frei

„Gut“ ist relativ

Vieles, das schmeckt, ist ungesund. Zu fettig, zu süß, zu salzig – eine unausgewogene Ernährung führt früher oder später zu Übergewicht, das wiederum diverse Krankheiten begünstigt. Um uns vor Augen zu führen, wie ungesund wir essen, wurde eine plakative Maßnahme erfunden: die Lebensmittelampel. Rot heißt „Finger weg“ – hoher Gehalt an Zucker, Salz, Fett oder gesättigten Fettsäuren. Entsprechend unbedenklicher sind die gelben, noch besser die grün gekennzeichneten Lebensmittel.

Aber brauchen wir das wirklich? Hält ein roter Zucker-Fett-Alarmbutton uns davon ab, Schokolade zu kaufen, wenn wir Lust auf Schokolade haben? Macht er uns ein schlechtes Gewissen, regt er zum Nachdenken an? Abhalten wohl kaum, nachdenken schon eher. Dennoch gibt es bisher keine fundierten Belege dafür, dass die Lebensmittelampel das Konsumverhalten dauerhaft ändert. In einigen Ländern wurde sie bereits getestet – im Bundestag scheiterte der Antrag der Grünen zur Einführung dieser Kennzeichnung im März 2008. Seitdem gibt es immer wieder Vorstöße, wie die Nährwerte von Lebensmitteln sinnvoll, vergleichbar und für den Verbraucher transparent gekennzeichnet werden können.

Die Frage, die sich bei einer solchen Maßnahme stellt, ist, ob uns wirklich alles von der Industrie „vorgekaut“ präsentiert werden muss? Ob uns die Entscheidung für oder gegen ein Lebensmittel mit roten, gelben oder grünen Punkten abgenommen werden muss? Wem ausgewogene Ernährung wichtig ist, der beschäftigt sich mit dem, was er isst. Dem genügt ein Blick auf die Inhaltsstoffe und Nährwerttabellen, um zu entscheiden, ob er das Produkt als gesund einschätzt oder nicht.

Mit einer Lebensmittelampel etwa wäre eine Avocado aufgrund des hohen Fettgehalts ungesund, ein Light-Getränk würde dagegen einen grünen Punkt bekommen. Dabei ist wissenschaftlich erwiesen, dass die künstlichen Süßstoffe dafür sorgen können, dass Konsumenten im Schnitt mehr Nahrung zu sich nehmen. Grund: Der süße Geschmack suggeriert dem Gehirn mehr Kalorien, die aber nicht im Getränk stecken. Die fehlende Energie holen sich viele über das Essen.

Was „gut“ für uns ist und was nicht, sollte nicht nur anhand eines Labels entschieden werden. Zu leicht lassen sich so Verbraucher täuschen. Wer nur „grüne“ Lebensmittel kauft, lebt gesund, wer überwiegend rot gekennzeichnete zu sich nimmt, ungesund ­– so einfach ist es jedoch nicht. Mischung und Maß spielen ebenso eine Rolle wie der gesamte Lebensstil.

Anfang März 2017 nahm die Diskussion um die Lebensmittelampel neue Fahrt auf, als sechs international führende Lebensmittelkonzerne ein Konzept für eine farbig unterlegte Nährwertkennzeichnung präsentierten. Dort beziehen sich die Werte allerdings auf „eine Portion“. Wie groß diese ist, liegt im Ermessen der Unternehmen – wirkliche Vergleichbarkeit also einmal mehr Fehlanzeige. Natürlich können plakative Nährwerthinweise eine sinnvolle Ergänzung für Verbraucher sein – aber nur, wenn sie unabhängig und vergleichbar sind und wir uns nicht blind darauf verlassen. Essen mit Köpfchen ist für Körper und Seele gut.

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