Sind wir zu dumm zum Einkaufen?

Es heißt: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wie gut, dass Vater Staat uns diese unangenehme Bürde abnimmt und immer öfter seine Empfehlungen ausspricht. Ob bei Lebensmitteln, Tabak oder Alkohol – der nächste Warnhinweis ist bestimmt nicht weit. Oder wollen wir vielleicht gar keine Bevormundung?

Der moderne Staat hilft seinen Bürgern, wenn er komplexe Informationen verständlich und zielgruppengerecht aufbereitet. Niemand wird bestreiten, dass Verbraucherschutz in dieser Form sinnvoll ist. Welcher Laie versteht schon die Fallstricke eines Finanzierungsplans oder weiß, welche Kniffe er bei Versicherungen beachten muss? Aber wenn Bürger sich heute die Vorschläge mancher Politiker anhören, scheint es oft so, als hielten „die da oben“ die eigenen Wähler für entscheidungsfaul oder nicht entscheidungsfähig. Statt Aufklärungsarbeit zu leisten, mutet Verbraucherschutz inzwischen oft an, eher Opferschutz zu sein: Die Bürger als überforderte Konsumenten, als Opfer der Industrie – und ihrer selbst.

Das Bild des mündigen Verbrauchers, der sich informiert und eigenverantwortlich entscheiden kann, ist scheinbar nicht allzu fest in den Köpfen des Gesetzgebers verankert. Politiker sprechen inzwischen viel lieber vom realen, verwundbaren Konsumenten. Der selbstbestimmte Verbraucher sei ein hübsches Ideal, leider allzu realitätsfern. Der Otto Normalverbraucher sei mit dem Tarifdschungel von Mobilfunk-Anbietern, Energieversorgern und Fitnessstudios schlichtweg überfordert. Den Werbeslogans von Elektromärkten, Versicherern und Kreditgebern stehe „der Arme“ oftmals ratlos gegenüber. Er werde belogen, betrogen und ausgenommen.

Anders ist es nicht zu erklären, dass Bürger ständig bevormundet werden sollen. Zumindest lassen das Pläne für Ampelhinweise auf Keksverpackungen und Waschmaschinen vermuten. Die Kennzeichen zum Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz oder Energieverbrauch sollen helfen, gesündere, umweltfreundlichere und sparsamere Entscheidungen zu treffen.

Aber ist das noch Aufklärung, um Bürgern zu helfen, vernünftige Entscheidungen zu treffen? Oder ist es eher die paternalistische Sicht eines Staates auf seine verwundbaren Schäfchen, die vor der Bedrohung des bösen Wolfes beschützt werden müssen? Brauchen Verbraucher in Deutschland wirklich solche Hinweise, wie „Stecken Sie unter keinen Umständen eine lebende Person in diese Waschmaschine“ oder „Dieses Wasser ist für Vegetarier geeignet“?

Die meisten Menschen wissen durchaus, dass die ansehnlich präsentierten Äpfel und Paprikaschoten am Eingang des Supermarktes mehr Vitamine und Nährstoffe enthalten als die fettigen Chips oder der süße Fertigkuchen im hinteren Regal. Sie sind sich auch bewusst, dass fabrikneue Waschmaschinen sparsamer sind, was Strom- und Wasserverbrauch angeht, als alte gebrauchte. Trotzdem wollen sie manchmal genau zu diesen Produkten greifen.

Sei es eine bewusste Entscheidung, weil das eine günstiger oder leckerer ist als das andere, sei es nur aus einer Laune, aus purer Lust heraus. Und das ist ihr gutes Recht. Schließlich garantiert ihnen das Grundgesetz Freiheit. Dazu gehört auch die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, egal ob rational oder irrational, gesund oder ungesund, sparsam oder verschwenderisch.

Foto: anadukic33/stock.adobe.com

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