Bier ohne Bevormundung

Goldgelb glänzt es im Sonnenlicht, eine weiße Krone türmt sich darauf – und doch gilt das, was so herrlich aussieht als Teufelszeug. Das böse Bier gehört aus der Öffentlichkeit verbannt! So zumindest sehen es in Deutschland einige Parteien und Politiker. Immer wieder fordern sie ein Verbot für Alkohol-Werbung. Muss der arme, dumme, unmündige Bürger wirklich geschützt werden?

Die Väter und Mütter dieser Schnapsidee sind zum Beispiel bei der Partei „Die Linke“ zu finden. Sie wollen Reklame für alkoholhaltige Getränke verbieten. Das Fass zum Überlaufen brachten scheinbar Zahlen zum Alkoholverbrauch der Deutschen. Demnach beträgt der durchschnittliche Konsum jedes Erwachsenen 130 Liter pro Jahr (Stand April 2017). Das entspricht einer ganzen Badewanne voll. Über 100.000 Patienten werden jährlich in den Notaufnahmen eingeliefert, etwa 40 Menschen sterben täglich an den Folgen von Alkoholkonsum.

Da liegt der Ruf nach Vater Staat natürlich nah. Ist er nicht verpflichtet, für die Gesundheit seiner schutzlosen Bürger zu sorgen? Es entsteht fast der Eindruck, dass Versäumnisse der Vergangenheit nun mit Macht und einem anderen Etikett versehen, korrigiert werden sollen. Die Alkoholsteuer auf Bier und Schnaps wurde seit Jahrzehnten nicht mehr angehoben, Wein ist sogar komplett steuerfrei. In Europa gilt Deutschland als Promille-Paradies. In kaum einem Land sind die Steuern auf Alkohol so niedrig.

Der Grund ist einfach: Die wirtschaftlichen Interessen stehen im Vordergrund. Dafür spricht zumindest, dass die Mehrheit der Bundesländer und auch der Bund alkoholproduzierende Betriebe subventionieren. Der Staat ist am Alkohol-Geschäft beteiligt und soll gleichzeitig in die freie Marktwirtschaft eingreifen? Eine klare politische Linie ist das nicht.

Ein Werbeverbot hätte erhebliche Folgen für das Marktgeschehen. Veränderte Wettbewerbsbedingungen schaffen unterschiedliche Voraussetzungen für im Alkoholmarkt bereits aktive Unternehmen und solche, die den Markt erst betreten wollen.

Zudem muss die Frage gestattet sein, was ein Werbeverbot bringen soll. Auf die Gesundheit der Konsumenten hätte es sicherlich keinen Einfluss. Alkoholwerbung ist bereits heute stark reglementiert, besonders der Gedanke des Jugendschutzes hat zu differenzierten Regelungen und Verboten geführt. So darf Alkoholwerbung nicht für eine jugendliche Zielgruppe konzipiert sein und allgemein nicht in Jugendmedien gezeigt werden.

So notwendig und moralisch nachvollziehbar Reglementierungen sind – Werbeverbote haben keinen nachgewiesen positiven Einfluss auf den Alkoholkonsum. Das gilt für erwachsene Konsumenten erst recht: Insofern kann und sollte angemessen über Risiken und Nebenwirkungen des Alkoholkonsums aufgeklärt werden – eine Bevormundung der Bürger durch Vater Staat braucht es nicht.

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